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Was ist ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Gemeint ist eine Besonderheit der Entwicklung, die Aufmerksamkeit, Aktivität und Impulssteuerung betrifft. Sie beginnt in der Kindheit und bleibt in vielen Fällen bis ins Erwachsenenalter bestehen (S3-Leitlinie ADHS, Einleitung).

Wie die Weltgesundheitsorganisation ADHS beschreibt

In der aktuellen internationalen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation, der ICD-11, hat ADHS den Code 6A05. ADHS steht dort bei den Entwicklungsstörungen des Nervensystems („neurodevelopmental disorders“) – im selben Abschnitt wie Autismus (6A02). Nach der Beschreibung der WHO gilt:

  • Es besteht ein anhaltendes Muster von Unaufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität und Impulsivität, mindestens sechs Monate lang.
  • Es wirkt sich unmittelbar auf Schule, Ausbildung, Beruf oder das soziale Leben aus.
  • Deutliche Anzeichen bestehen schon vor dem 12. Lebensjahr, meist in der frühen bis mittleren Kindheit. Manche Menschen werden aber erst später im Leben fachlich wahrgenommen.
  • Die Anzeichen zeigen sich in mehreren Lebensbereichen, auch wenn sie je nach Umgebung verschieden stark sein können.
  • Sie lassen sich nicht besser durch eine andere Störung erklären und sind nicht die Wirkung eines Stoffes oder Medikaments.

Drei Erscheinungsbilder

Die ICD-11 unterscheidet, welche Merkmale überwiegen:

6A05.0 – vorwiegend unaufmerksam
Schwierigkeiten, bei Aufgaben dabeizubleiben, die keinen hohen Reiz oder keine häufige Belohnung bieten; Ablenkbarkeit; Probleme mit Ordnung und Planung.
6A05.1 – vorwiegend hyperaktiv-impulsiv
Viel Bewegung und Schwierigkeiten stillzuhalten, vor allem in festen Situationen, die Selbststeuerung verlangen; Handeln aus dem Augenblick heraus, ohne Risiken und Folgen abzuwägen.
6A05.2 – kombiniert
Beide Bereiche sind deutlich ausgeprägt.

Die Mischung ist bei jedem Menschen anders und kann sich im Laufe der Entwicklung verändern (ICD-11, 6A05).

Was wir über die Ursachen wissen

Nach der S3-Leitlinie wird ADHS heute überwiegend als multifaktoriell verursacht verstanden. Genannt werden genetische Anlagen sowie Umwelteinflüsse vor, während und kurz nach der Geburt. ADHS tritt in Familien gehäuft auf; die Leitlinie empfiehlt deshalb, bei einer ADHS im Kindesalter auch nach Anzeichen bei Eltern und Geschwistern zu fragen (Einleitung und Empfehlung 1.1.11).

Wie ADHS in Deutschland verschlüsselt wird

Für Diagnosen in der gesetzlichen Krankenversicherung gilt die deutsche Fassung der Internationalen Klassifikation, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgibt (§ 295 Abs. 1 Satz 2 SGB V). Das ist derzeit die ICD-10-GM, Version 2026. Dort heißt ADHS „Hyperkinetische Störung“ (F90.-), etwa F90.0 „Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung“. Eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität hat einen eigenen Code (F98.80). Eine deutsche Fassung der ICD-11 stellt das BfArM bisher als Testversion bereit.

Unsere Sprache

In der Medizin heißt es „Störung“. Diese Fachbegriffe verwenden wir, wo sie gebraucht werden – bei Diagnosen, Anträgen und Gesetzen. Sonst sprechen wir von „Menschen mit ADHS“ und verstehen ADHS als eine Form von Neurodivergenz. Neurodiversität – Begriff und Bewegung

Quellen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11 für Mortalitäts- und Morbiditätsstatistiken, Version 2026-01, Eintrag 6A05 „Attention deficit hyperactivity disorder“ mit den Unterformen 6A05.0 bis 6A05.Z. ICD-11-Browser der WHO, Eintrag 6A05 (externe Seite)
  • WHO: ICD-11, Version 2026-01, Eintrag 6A02 „Autism spectrum disorder“. ICD-11-Browser der WHO, Eintrag 6A02 (externe Seite)
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM Version 2026, Block F90–F98 „Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend“, besonders F90.- und F98.80. ICD-10-GM beim BfArM (externe Seite)
  • AWMF-Register-Nr. 028-045: Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, Langfassung Version 2.0 (Leitlinienupdate 2026). Leitlinie im AWMF-Register (externe Seite)

Rechtsstand: Den Wortlaut der genannten Vorschriften haben wir am 20. Oktober 2026 geprüft (Bundesrecht in der amtlichen Fassung auf gesetze-im-internet.de, EU-Recht und UN-Behindertenrechtskonvention im Amtsblatt der Europäischen Union). Gesetze können sich seitdem geändert haben.